Das Jenaer Büro der Lokalen Agenda 21 hat auf seiner Homepage "Nachhaltige Entwicklung" einen "Nachhaltigen Adventskalender" eingestellt, der jeden Tag bis Weihnachten Rätsel und Quizfragen aufgibt oder auf dem es Geschichten und andere interessante Informationen rund um Klimaschutz und Nachhaltigkeit zu entdecken gibt. Hier eine kleine Führung durch die die Straße der Besten Adventskalenderüberraschungen:
1. - Die Photovoltaikanlage
Der Nachbar von Bauer Heinz möchte eine Photovoltaikanlage installieren. Letzte Woche wusste er allerdings noch nicht, ob die Anlage auf dem Dach des Stalles oder auf der Wiese im Freiland aufgebaut werden soll. Heinz, der sich dafür interessiert, schaut mit seiner Tochter beim Nachbarn vorbei, aber die Arbeiten haben noch nicht begonnen. Der Nachbar erzählt:
"Ich musste mich zwischen Dünnschicht- oder monokristallinen Zellen entscheiden. Mein Schwager hat mir alles günstig besorgt, doch das unterlag einigen Einschränkungen: Dünnschichtzellen kann er nicht fürs Freiland anbieten. Wählt man Dünnschicht für eine Dachanlage, so kann er keine SMA Wechselrichter bekommen, sondern nur die von anderen Herstellern. Für die Module hat er außer zu Solarworld nur Kontakte zu Dünnschichtanbietern. Wählt man eine Dachanlage mit monokristallinen Zellen, so kann er ebenfalls keine SMA Wechselrichter anbieten. Nach langem Überlegen habe ich mich für folgende Lösung entschieden..."
Da wird der Nachbar in den Stall gerufen und Heinz muss sich verabschieden, bevor er erfahren kann, was der Nachbar bestellt hat. Beim Hinausgehen stolpert er jedoch über eine Kiste auf der in großen Buchstaben "SMA" steht. Bedauernd meint Heinz zu seiner Tochter: "Schade, dass wir jetzt nicht wissen, ob er die Module von Solarworld nimmt." Die Tochter widerspricht: "Aber es ist doch alles klar." - Also, hat der Nachbar Solarworld Module bestellt?
Die Antwort: Aufgrund der Kiste kann man annehmen, dass der Nachbar SMA Wechselrichter gewählt hat. Da der Schwager für Dachanlagen mit Dünnschicht- oder monokristallinenen Zellen kein SMA bekommen konnte, muss sich der Nachbar für eine Freilandanlage entschieden haben.
2. - Die Kühlschrankklimaanlage
Es ist heiß! Manch einer kommt auf die Idee, seinen Kühlschrank als Klimaanlage zu benutzen und lässt dessen Türe offenstehen. Wie ist diese Kühlschrankklimaanlage einzuschätzen? - Bitte wählen Sie eine Antwort aus:
a) Stromrechnung und Umwelt werden natürlich belastet, aber dafür wird es im Raum kühler.
b) Es passiert überhaupt nichts. Jeder Kühlschrank schaltet sich bei geöffneter Türe nach drei Minuten ab.
c) Stromrechnung und Umwelt werden belastet und im Raum wird es sogar noch wärmer.
Die Antwort: Ein Kühlschrank arbeitet nach dem Prinzip einer Wärmepumpe, die die Wärme von Innen nach Außen transportiert. Wenn die Türe offen steht, muss dieses System umso mehr arbeiten und umso mehr Wärme gibt der Kühlschrank auf seiner Rückseite wieder ab. Der Kühlschrank kann zur Heizung werden!
3. - Globalisierung beginnt am Frühstückstisch
Ein Blick auf unseren Frühstückstisch zeigt, dass heute die wenigsten Produkte direkt aus unserem Garten oder unserer näheren Umgebung stammen. Der Kaffee stammt zum Beispiel aus Brasilien, Tee aus Indien, Erdbeeren aus Spanien, Frischkäse und Brot aus Deutschland. Unter welchen Bedingungen sie produziert werden, welche natürlichen Ressourcen dafür verbraucht werden und welche Wirkungen auf Menschen, Wirtschaft und Umwelt unsere Essgewohnheiten haben, wissen nur wenige.
Kaffee zum Beispiel wird größtenteils in Brasilien hergestellt. Für eine Tasse Kaffee (200 ml) werden 7 Gramm Dünger und 7 Gramm Pestizide eingesetzt. Zudem gehen fast 300 Gramm Erde durch Erosion verloren. Weitere natürliche Ressourcen werden bei der Verarbeitung und beim Transport verbraucht. Und auch beim Transport vom Laden nach Hause und beim Kochen müssen 100 Gramm natürliche Ressourcen z.B. für elektrischen Strom oder Benzin eingesetzt werden, wie das Wuppertal Institut berechnet hat. Dazu kommt noch ein Wasserverbrauch von über 6.600 Gramm pro Tasse Kaffee.
Den Leitgedanken zu einer nachhaltigen Entwicklung der Erde hat 1987 die Weltkommission für Umwelt und Entwicklung formuliert: „Entwicklung zukunftsfähig zu machen, heißt, dass die gegenwärtige Generation ihre Bedürfnisse befriedigt, ohne die Fähigkeit der zukünftigen Generation zu gefährden, ihre eigenen Bedürfnisse befriedigen zu können.“
Letztendlich geht es bei der Nachhaltigkeit um die globale Verantwortung jedes Einzelnen. Schon 1978 hat der Philosoph Hans Jonas dies in seinem Buch „Das Prinzip Verantwortung“ eindrücklich dargelegt. Die Menschen in unserer technisierten Welt müssten lernen, ihre Ethik, ihr Denken vom lokalen Bereich zu lösen und auf die größeren nationalen und globalen Zusammenhänge zur richten.
4. - In der Kneipe
Die drei Freunde regenerativer Energien: Heinz, sein Nachbar Hubert und die Biobäuerin Anna sitzen der Kneipe. Da fragt sie der Wirt: "Na, wer hat denn letzten Monat den meisten Strom produziert?" Hubert spekuliert mit einem kurzen Blick auf Anna: "Ich glaube, dass war die Anna mit Ihrer Biogasanlage." Auch die anderen äußern ihre Vermutungen, doch diese gehen in der Geräuschkulisse der Kneipe verloren. Am Ende nennen alle ihre Zahlen und es stellt sich heraus, dass der einzige von ihnen, der die richtige Vermutung hatte, auch am meisten Strom produziert hat. - Wer war es
Die Antwort: Angenommen Anna würde am meisten produzieren, dann hätte Hubert Recht und Anna als Gewinnerin wäre nicht mehr die einzige mit einer richtigen Vermutung. Das geht nicht. Also hat Hubert Unrecht und sowohl Anna als auch Hubert können nicht diejenigen mit dem meisten Strom sein. Heinz hat daher am meisten produziert und das auch vermutet.
5. - Nachhaltige Geburtstage und Weihnachtsfeste
Der ökologische Wert eines Geschenkes hängt mit Erzeugung, Transport, Energieverbrauch und Entsorgung zusammen. Langlebige Güter aus natürlichen Materialien sowie ökologisch und sozial verträgliche Produkte sind vorzuziehen. Mensch sollte aber weniger schenken.
Weniger schenken? Richtig: Was nicht zuhause liegt, braucht später nicht als Müll entsorgt zu werden. Oft verbaut uns der vermeintliche Geschenkzwang den Blick auf das Wesentliche. Ein selbstgemachtes Geschenk bereitet oft viel größere Freude als ein gekauftes.
Was bei Spielzeug zu bedenken ist: Phantasieanregende Spiele als Gegenpol zu TV-Konsum–Spielzeugen, führen uns wieder näher an die Natur heran. Möglichst kein Spielzeug mit Batterieantrieb verwenden. Gib spannenden Gesellschaftsspielen den Vorzug!
Fair und mit Freunde schenken: Fördere Kleinbauern, Plantagenarbeiter, Bildungsarbeit, Schulbesuch, Biolandbau u. a. in den Dritte-Welt-Ländern durch den Kauf von fair gehandelten Produkten. Denke auch darüber nach, ob Du eine gmeinsames Geschenk verschenkst: ein Essen im einem Bio-Restaurant, eine Wanderung, ein Museumsbesuch, Zeit für die Anderen. Oder entscheide Dich als Geschenk für Anteile an einem Windkraftwerk, Ökostrombezug, Gutscheine für öffentliche Verkehrsmittel oder Carsharing.
Eine Alternative zum krampfhaften Geschenke suchen ist auch: Hinhören auf die Not der anderen! Mache jemandem, der es wirklich braucht, ein Geschenk – oder unterstütze eine caritative Organisation z. B. "Weihnachts-Anstatt-Aktion des Entwicklungshilfeclubs".
In diesem Sinne.
Dienstag, 14. Dezember 2010
Mittwoch, 8. Dezember 2010
John Lennon ist tot! - Es lebe John Lennon!
In der Verwaltungsfachhochschule stand "Prüfungsvorbereitung" im Lehrplan, eine Klausur in Haushalts- und Finanzwesenwesen sollte noch vor Weihnachten geschrieben werden. Doch das war am Morgen des 9. Dezember 1980 vergessen und es gab in den Seminarräumen nur ein Thema: "John Lennon ist tot! - Erschossen in New York von einem irren Fan."Der in Liverpool geborene Lennon hat zusammen mit den anderen Beatles die westliche Musikkultur nach dem Zweiten Weltkrieg geprägt wie neben ihm nur Elvis Presley oder Bob Dylan. Und so standen wir, wie Millionen von Menschen weltweit, unter Schock, als er vor 30 Jahren brutal aus dem Leben gerissen wurde. Seine kurz zuvor erschienene Single "(Just like) Starting Over" aus dem Album "Double Fantasy", das kurz vor seinem Tod von den Kritikern arg geschmäht worden war, schoss kurz danach in vielen Ländern an die Spitze der Charts.
Doch so groß die Trauer um den Menschen und die Figur John Lennon damals war, so wenig schien sich für uns sein Tod auf die Entwicklung der Popmusik auszuwirken. Denn Lennons beste Jahre lagen 1980 schon lange zurück. Die musikalische Entwicklung war schon längst beim Punk und in der Elektromusik angekommen. Der damals "jungen Generation" hatte ein alter Sack wie Lennon nichts Wesentliches mehr zu sagen. Sein Einfluss - so dachte auch ich - habe sich auf die große Zeit der 60er Jahre beschränkt und war in den 70ern nur noch kurz einmal aufgeflammt. Gut: mit den Beatles hatte er schon die Musikwelt revolutioniert und die Blaupause für die Musik der kommenden 70er geschaffen. Aber das war es dann auch gewesen. - Hatte ich damals recht?
Drei Jahrzehnte (und viele persönliche Erfahrungen später) muss ich / muss man anerkennen:1.) John und seine (Silver-)Beatles haben dafür gesorgt, dass die Rock- und Popmusik erwachsen wurde. So wie die einst jugendlichen Fans älter wurden, so wurde auch "ihre" Musik reifer. Drehten sich die Songtexte im Rock'n'Roll und bei den frühen Beatles fast ausschließlich um die Liebe und die mir ihr verbundenen Probleme, so hat John Lennon mit dazu beigetragen, dass anspruchsvollere Themen besungen wurden. Und Lennon hatte auch seinen Anteil daran, dass die populäre Musik politischer wurde.
2.) Lennon veränderte die musikalischen Ebenen des Zuhörers. Ganz pragmatisch von "Love ME do" und "I want to hold YOUR Hand" zu "SHE Loves you", "YOU'VE got to Hide YOUR love away" und "All YOU need is Love". Das verschob die Botschaft als Aufgabe/Empfindung direkt an die Fans, die sich plötzlich nicht nur wiedererkannten sondern sogar angesprochen fühlten, etwas zu tun. Vielleicht ist selbst das "Yes WE can" von Obama auf Lennons Schaffen zurückzuführen.
3.) Wenn man Bob Dylan das Verdienst zugeschreiben möchte, die populäre Musik für ernsthafte, politische Themen geöffnet zu haben, so war es wohl vor allem John Lennon, der den Menschen mit all seinen Empfindungen, Ängsten, Zweifeln und Hoffnungen in die Musik einbrachte. In seinen Solowerken ging Lennon so weit, schonungs- und bedingungslos seine privaten Abgründe und Träume offen zu legen: "Cold Turkey", "Mother", "I am the Walruss" oder "Imagine" zeigen dies und zeigen vor allem einen offen leidenen Künstler auf der Psychiater-Couch, der die ganze Welt daran teilhaben lässt.
Diese drei Punkte waren Lennons Verdienst um die Musikwelt, prägten für Jahrzehnte die Musikszene: Bands wie U2, Coldplay oder Oasis verzichteten auf Macho-Gesten a la Led Zeppelin oder The Who und stellten stattdessen ihr Leiden an der Welt offen zur Schau, machten das Private politisch
Wegweisend und bis heute "trendy" war aber auch die Art, wie John Lennon nach seiner schicksalshaften Begegnung mit Yoko Ono sein Privatleben öffentlich zur Schau stellte. Nach seiner Hochzeit mit ihr empfing das Paar 1969 die Weltpresse im Doppelbett. John und Yoko gab es bald nur noch im Doppelpack wie Christo und Jeanne-Claude. Zwei Menschen wurden zum Promi-Paar und verknüpften ihr allerprivatestes Glück mit politischen Missionen: "Woman is the Nigger of the World", "War is over, if you want it". Ebenso modern (weil zuvor noch nie so hautnah miterlebbar) war es dann, wie Lennon 1973 bis 1975 die Trennung von Yoko Ono vor den gierig-interessierten Augen der Weltöffentlichkeit zelebrierte. Gemeinsam mit seinem Freund Haerry Nilsson unternahm Lennon in seinem "Lost Weekend", wie er diese wilde Zeit taufte, Sauftouren durch das nächtliche Los Angeles und überlies es den Klatschblättern, sämtliche Ausraster zu dokumentieren. Hier wurde des Ex-Beatles' Verhalten zu einer Blaupause für peinliche Prominente der Neuzeit von Paris Hilton bis Mel Gibson.Fünf Jahre vor seinem Tod gab Lennon schließlich das Posing auf, kehrte von seiner neuen Flamme und Privatsekräterin May Pang reumütig in Yoko Onos Ehebett zurück und präsentierte sich von Stund an als fragiler, verletzlicher Mann. Wie modern er da wieder war, zeigte sich erst aus heutiger Sicht: John Lennon hängte 1975 seine Musikkarriere an den Nagel, um sich ganz seinem Sohn Sean zu widmen, überlies die "Geschäfte" Ehefrau Yoko Ono und war damit wieder gesellschaftliche Avantgarde. Auch das Comeback-Album "Double Fantasy", kurz vor seiner Ermordung erschienen, war, ohne dass es hierbei eines Drucks von Yoko bedurft hatte, eine paritätische Arbeit: jeder der beiden Ehepartner steuerte die Hälfte der Songs bei.
John Lennon ist ohne Zweifel seit drei Jahrzehnten physisch tot, lebt aber in unserer heutigen Musik und Gesellschaft weiter.
Montag, 29. November 2010
Was das Schneechaos und Frauen gemeinsam haben
Ich saß wieder einmal beim Essen - diesmal war's, glaube ich, der Chinese in der Grietgasse oder der Grieche in der Chinesengasse, ich hab' keine Ahnung mehr - auf jeden Fall musste ich zwangsläufig wieder ein Gespräch am Nebentisch mitanhören. Zwangsläufig, das sage ich immer, wenn es so dezent geführt wird, dann man zwei Stockwerke höher noch sagen könnte: "Genau. Das hab ich auch schon erlebt. Wem sagen sie das."
Jedenfalls: die beiden Damen waren so in ihr Gespräch vertieft, wenn man das, wenn eine redet und die andere zuhört, überhaupt ein Gespräch nennen kann, dass sie nicht bemerkten, wie ich wieder einen Zettel aus den Tasche holte und eifrig mitschrieb. Diesmal ging es nicht um Autos...ich sehe, sie kennen die Pointe: "Wie konntest du nur den Opel verkaufen...ohne mir Bescheid zu sagen...und dann auch noch in Apolda." - Genau, das haben sie auch schon mal erlebt, wem sagen ich das. Aber hier und dieses Mal ging es um etwas ganz anderes.
"Ihre Tochter will umziehen, sagt Heidrun. Die haben einen Korridor mit zwei Zimmern, Küche, Bad. Die Heidrun, die wohnt doch in Chemnitz. Jedenfalls will ihre Tochter jetzt umziehen und da braucht sie die Kaution. Also, ich hab die Heidrum noch nie im Leben gesehen, zwei Mal haben wir bisher telefoniert. Einmal als Onkel Hans gestorben war und dann, als es um das Grundstück im Crimmitschau ging, dass mein Cousin verkaufen wollte und zuerst uns angeboten hatte, aber Heindrun rief an und sagte, dass Opa festgelegt habe, dass sie das zuerst angeboten bekommen. Und jetzt rief die mich wieder an und ich dachte zuerst, dass vielleicht der Peter, unser Cousin, gestorben ist, aber nein: ihre Tochter will umziehen und braucht die Kaution, sagt sie.
Und weil es Heidrun und ihrer Tochter derzeit finaziell nicht so gut geht und wir ja damals das Grundstück in Crimmitschau gekauft hatten - ich kann dir sagen: Wir haben nur Ärger damit, dauernd ist dies zu bezahlen und das. Müllgebühr, Grundsteuer und was weiß cih alles oder es spriest wieder das Gras aus dem Gehwegpflaster durch und Bernd muss hinfahren und das Gras rausreissen, weil die Nachbarn beim Ordnungsamt angerufen haben und die Stadtverwaltung uns wegen der Vernachlässigung der Reinigungspflicht einen Brief geschrieben haben...nur Ärger mit dem Grundstück - ja, und weil wir doch jetzt das Grundstück hätten und das so immens im Wert gestiegen ist... also, woher will die das denn wissen. Gar nichts ist im Wert gestiegen, lieben Heute als Morgen würd' ich das Gelumpe verkaufen, selbst wenn ich drauflegen müsste, einfach nur weg damit, sag ich dir.
Sie kann doch nichts dafür, sagt Heidrun, dass die Tochter ein krankes Kind hat. Ja, sag ich, aber wir können doch auch nichts dafür, das sie ein krankes Kind hat. Und dann fing Heidrun an zu heulen und ich sag dir, da kannste nicht einfach auflegen. Das gebietet der Anstand. Also sage ich: Aber vielleicht hat sie ja auch einen Mann zum Kind. Und da sagt doch Heidrun: "Sandra, komm' mal her, die Tante Barbara ist am Telefon und die darfst dir jetzt was ganz Großes wünschen." - Also, da hab' ich gedacht, mein Schwein pfeift.
So etwas dreistes wie Heidrun ist mir ja schon lange nicht vorgekommen. Und dann hatte ich die Sandra am Telefon. "Also ich wünsch mir von dir die Kaution. 780 Euro." Das sagt die ganz frech ins Telefon zu mir. 780 Euro. Wo ich die überhaupt nicht kenne. Ich weiß nur, dass die Heidrun inzwischen geschieden ist und, wie mir Peter letztes Jahr verraten hat, mit einen neuen Mann zusammen ist. 61 soll der sein. Aber Heidrun hätte für ihn immer ein paar blaue Pillen in Petto. Sie will ja auch mal ihren Spaß haben, hat sie Peter erzählt. Aber schlecht soll sie aussehen, die Augen in tiefen Höhlen, abgemagert, sagt er, die Ärme werden immer dünner. Er vermutet ja Krebs dahinter. Genaues weiß er nicht. Und ich wollte ja auch nicht nachfragen.
780 Euro will die Tochter haben, von uns. Wegen dem Grundstück im Crimmitschau, mit dem wir nur Ärger haben. Kriegen kaum mit den Mieten die Unkosten rein. Na, ja, hab ich gesagt, gutes Kind. 780 Euro ist eine Menge Geld. Aber weil wir dir zu deinem Kind noch nichts dazugegeben haben...wie heißt es denn? Gerome Ive, sagt sie. Also, sage ich, wegen Jerome Ive würden wird dir 350 Euro überweisen, für die Kaution. "Du bist ein Schatz, Tante Barbara", hat sie dann gesagt und Heindrun hat im Hintegrund zum Weinen angefangen. Wahrscheinlich dachte die, dass wir die ganzen 780 geben würden, denn als die Tochter dann sagte, "Tante Barbara gibt uns 350 Euro, da hat Heidrun sofort wieder zu Weinen aufgehört.
Jetzt lach' nicht. Es war genauso, wie ich's hier erzähle. Du siehst ja, wie's läuft. Manche wollen kein Wasser, die wollen gleich gepült werden. Aber nicht mir mir. Nicht mit mit. 780 Euro - was denkst sich das Volk überhaupt? Wir kennen uns doch kaum und die melden sich nur, wenn sie einen brauchen. Aber, hier, erzähle nichts meinem Mann, der regt sich sonst wieder nur auf, wegen dem Grundstück in Crimmitschau und überhaupt."
Und draußen schneite es, schon die sechste Woche am Stück seit November, und der Schnee nahm kein Ende, wie das Gespräch der beiden Damen. Und plötzlich fiel mir auf, was das Schneechaos und Frauen gemeinsam haben: Beides ist für uns Männer unergründlich.
Jedenfalls: die beiden Damen waren so in ihr Gespräch vertieft, wenn man das, wenn eine redet und die andere zuhört, überhaupt ein Gespräch nennen kann, dass sie nicht bemerkten, wie ich wieder einen Zettel aus den Tasche holte und eifrig mitschrieb. Diesmal ging es nicht um Autos...ich sehe, sie kennen die Pointe: "Wie konntest du nur den Opel verkaufen...ohne mir Bescheid zu sagen...und dann auch noch in Apolda." - Genau, das haben sie auch schon mal erlebt, wem sagen ich das. Aber hier und dieses Mal ging es um etwas ganz anderes.
"Ihre Tochter will umziehen, sagt Heidrun. Die haben einen Korridor mit zwei Zimmern, Küche, Bad. Die Heidrun, die wohnt doch in Chemnitz. Jedenfalls will ihre Tochter jetzt umziehen und da braucht sie die Kaution. Also, ich hab die Heidrum noch nie im Leben gesehen, zwei Mal haben wir bisher telefoniert. Einmal als Onkel Hans gestorben war und dann, als es um das Grundstück im Crimmitschau ging, dass mein Cousin verkaufen wollte und zuerst uns angeboten hatte, aber Heindrun rief an und sagte, dass Opa festgelegt habe, dass sie das zuerst angeboten bekommen. Und jetzt rief die mich wieder an und ich dachte zuerst, dass vielleicht der Peter, unser Cousin, gestorben ist, aber nein: ihre Tochter will umziehen und braucht die Kaution, sagt sie.
Und weil es Heidrun und ihrer Tochter derzeit finaziell nicht so gut geht und wir ja damals das Grundstück in Crimmitschau gekauft hatten - ich kann dir sagen: Wir haben nur Ärger damit, dauernd ist dies zu bezahlen und das. Müllgebühr, Grundsteuer und was weiß cih alles oder es spriest wieder das Gras aus dem Gehwegpflaster durch und Bernd muss hinfahren und das Gras rausreissen, weil die Nachbarn beim Ordnungsamt angerufen haben und die Stadtverwaltung uns wegen der Vernachlässigung der Reinigungspflicht einen Brief geschrieben haben...nur Ärger mit dem Grundstück - ja, und weil wir doch jetzt das Grundstück hätten und das so immens im Wert gestiegen ist... also, woher will die das denn wissen. Gar nichts ist im Wert gestiegen, lieben Heute als Morgen würd' ich das Gelumpe verkaufen, selbst wenn ich drauflegen müsste, einfach nur weg damit, sag ich dir.
Sie kann doch nichts dafür, sagt Heidrun, dass die Tochter ein krankes Kind hat. Ja, sag ich, aber wir können doch auch nichts dafür, das sie ein krankes Kind hat. Und dann fing Heidrun an zu heulen und ich sag dir, da kannste nicht einfach auflegen. Das gebietet der Anstand. Also sage ich: Aber vielleicht hat sie ja auch einen Mann zum Kind. Und da sagt doch Heidrun: "Sandra, komm' mal her, die Tante Barbara ist am Telefon und die darfst dir jetzt was ganz Großes wünschen." - Also, da hab' ich gedacht, mein Schwein pfeift.
So etwas dreistes wie Heidrun ist mir ja schon lange nicht vorgekommen. Und dann hatte ich die Sandra am Telefon. "Also ich wünsch mir von dir die Kaution. 780 Euro." Das sagt die ganz frech ins Telefon zu mir. 780 Euro. Wo ich die überhaupt nicht kenne. Ich weiß nur, dass die Heidrun inzwischen geschieden ist und, wie mir Peter letztes Jahr verraten hat, mit einen neuen Mann zusammen ist. 61 soll der sein. Aber Heidrun hätte für ihn immer ein paar blaue Pillen in Petto. Sie will ja auch mal ihren Spaß haben, hat sie Peter erzählt. Aber schlecht soll sie aussehen, die Augen in tiefen Höhlen, abgemagert, sagt er, die Ärme werden immer dünner. Er vermutet ja Krebs dahinter. Genaues weiß er nicht. Und ich wollte ja auch nicht nachfragen.
780 Euro will die Tochter haben, von uns. Wegen dem Grundstück im Crimmitschau, mit dem wir nur Ärger haben. Kriegen kaum mit den Mieten die Unkosten rein. Na, ja, hab ich gesagt, gutes Kind. 780 Euro ist eine Menge Geld. Aber weil wir dir zu deinem Kind noch nichts dazugegeben haben...wie heißt es denn? Gerome Ive, sagt sie. Also, sage ich, wegen Jerome Ive würden wird dir 350 Euro überweisen, für die Kaution. "Du bist ein Schatz, Tante Barbara", hat sie dann gesagt und Heindrun hat im Hintegrund zum Weinen angefangen. Wahrscheinlich dachte die, dass wir die ganzen 780 geben würden, denn als die Tochter dann sagte, "Tante Barbara gibt uns 350 Euro, da hat Heidrun sofort wieder zu Weinen aufgehört.
Jetzt lach' nicht. Es war genauso, wie ich's hier erzähle. Du siehst ja, wie's läuft. Manche wollen kein Wasser, die wollen gleich gepült werden. Aber nicht mir mir. Nicht mit mit. 780 Euro - was denkst sich das Volk überhaupt? Wir kennen uns doch kaum und die melden sich nur, wenn sie einen brauchen. Aber, hier, erzähle nichts meinem Mann, der regt sich sonst wieder nur auf, wegen dem Grundstück in Crimmitschau und überhaupt."
Und draußen schneite es, schon die sechste Woche am Stück seit November, und der Schnee nahm kein Ende, wie das Gespräch der beiden Damen. Und plötzlich fiel mir auf, was das Schneechaos und Frauen gemeinsam haben: Beides ist für uns Männer unergründlich.
Dienstag, 2. November 2010
Fliegende Bleche II
Ein Mann beschwerte sich in Uniontown im US-Staat Pennsylvania beim lokalen Police Departement über die schlechte Qualität seines Marihuanas, das er kurz zuvor erworbenen hatte. Den verblüfft zuhörenden Polizisten erkläre der Mann, er habe die Substanz geraucht und sie habe widerlich geschmeckt. Eine Untersuchung ergab dann auch dass es sich bei der Substanz nicht um Marihuana handelte, so der Sherrif. Was der Mann tatsächlich gekauft hatte, wollte die Polizei nicht sagen. Trotzdem habe man den 21-Jährigen angeklagt und zwar wegen Besitzes einer gefälschten illegalen Substanz. Das meldete der "Pittsburgh Tribune-Review".
Ihren Dienst besonders ernst nahmen Drogenfahnder aus Niedersachen und Bremen, die bei Kontrollen im Hamburger Straßenverkehr Abzeichen mit Hanfblättern auf ihren Polizeiuniformen trugen. Die Beamten hätten ihre Dienstkleidung ohne Genehmigung eigenhändig mit dem Marihuana-Gewächs verziert, teilte das Innenministerium in Hannover mit. Dafür gab es einen Rüffel, denn, so ein Sprecher des Innenministeriums: "Beamte dürfen ihre Uniformen nicht eigenständig umdesignen". Das Tragen von Abzeichen auf Ärmeln und Schulterklappen der Uniform, auf denen neben dem Niedersachsenross auch Hanfblätter prangen, laufe der Dienstverordnung zuwider und "gehe so nicht".
In Porto Alegre hat ein fülliger McDonald's-Mitarbeiter von einem Gericht umgerechnet rund 12.500 Euro Schadenersatz zugesprochen bekommen, weil er während seiner zwölf Arbeitsjahre in einem Fast-Food-Restaurant über 30 Kilogramm zugenommen hatte. Der Mann erklärte dem Richter, er habe sich verpflichtet gefühlt, täglich von den von ihm hergestellten Hamburgern zu essen, um deren Qualität zu überprüfen. Es sei bekannt gewesen, dass verdeckt arbeitende Prüfer die Restaurants besuchten und Berichte über Essen, Service und Sauberkeit anfertigten. In Deutschland wäre so etwas wohl kaum möglich gewesen; bei uns wurde ja bekanntlich eine Altenpflegerin, die 17 Jahre lang in einem Seniorenheim beschäftigt gewesen war, wegen des Verspeisens von sechs Maultaschen fristlos entlassen, die im den Müll hätten wandern sollen.
Was sagt uns das? Erstens: Wenn sie schon Drogen kaufen und dann mit der Qualität nicht einverstanden sind, schauen sie zuerst auf die Uniform der Beamten. Zweitens: Wenn sie während ihrer langjährigen Arbeit zunehmen, achten sie darauf, dass sie, für den Fall, dass sie ihren Arbeitgeber verklagen wollen, einen brasilianischen Richter haben. Deutsche Richter sehen die Dinge manchmal etwas zu abstrakt. Die Kündigung wurde zwar in zweiter Instanz aufgehoben; das Arbeitsgericht in Radolfzell hatte die Kündigung aber zunächst für rechtens erklärt.
Ihren Dienst besonders ernst nahmen Drogenfahnder aus Niedersachen und Bremen, die bei Kontrollen im Hamburger Straßenverkehr Abzeichen mit Hanfblättern auf ihren Polizeiuniformen trugen. Die Beamten hätten ihre Dienstkleidung ohne Genehmigung eigenhändig mit dem Marihuana-Gewächs verziert, teilte das Innenministerium in Hannover mit. Dafür gab es einen Rüffel, denn, so ein Sprecher des Innenministeriums: "Beamte dürfen ihre Uniformen nicht eigenständig umdesignen". Das Tragen von Abzeichen auf Ärmeln und Schulterklappen der Uniform, auf denen neben dem Niedersachsenross auch Hanfblätter prangen, laufe der Dienstverordnung zuwider und "gehe so nicht".
In Porto Alegre hat ein fülliger McDonald's-Mitarbeiter von einem Gericht umgerechnet rund 12.500 Euro Schadenersatz zugesprochen bekommen, weil er während seiner zwölf Arbeitsjahre in einem Fast-Food-Restaurant über 30 Kilogramm zugenommen hatte. Der Mann erklärte dem Richter, er habe sich verpflichtet gefühlt, täglich von den von ihm hergestellten Hamburgern zu essen, um deren Qualität zu überprüfen. Es sei bekannt gewesen, dass verdeckt arbeitende Prüfer die Restaurants besuchten und Berichte über Essen, Service und Sauberkeit anfertigten. In Deutschland wäre so etwas wohl kaum möglich gewesen; bei uns wurde ja bekanntlich eine Altenpflegerin, die 17 Jahre lang in einem Seniorenheim beschäftigt gewesen war, wegen des Verspeisens von sechs Maultaschen fristlos entlassen, die im den Müll hätten wandern sollen.
Was sagt uns das? Erstens: Wenn sie schon Drogen kaufen und dann mit der Qualität nicht einverstanden sind, schauen sie zuerst auf die Uniform der Beamten. Zweitens: Wenn sie während ihrer langjährigen Arbeit zunehmen, achten sie darauf, dass sie, für den Fall, dass sie ihren Arbeitgeber verklagen wollen, einen brasilianischen Richter haben. Deutsche Richter sehen die Dinge manchmal etwas zu abstrakt. Die Kündigung wurde zwar in zweiter Instanz aufgehoben; das Arbeitsgericht in Radolfzell hatte die Kündigung aber zunächst für rechtens erklärt.
Freitag, 3. September 2010
Es ist doch so...
...meine Damen und Herren, dass Bescheidenheit eine Zier ist. Sagt man doch so, oder. "Bescheidenheit ist eine Zier, doch"...genau..."weiter kommt man ohne ihr".
In diesem Sinne möchte ich mich Ihnen einmal vorstellen. Mein Name ist Rainer Sauer, genauer gesagt: Rainer W. Sauer. "W" steht dabei für "Wahnsinnstyp"... ?!...doch, doch, fragen sie da ruhig mal meine Frau. "Wahnsinnstyp" trifft das ganze doch schon recht gut.
Ich schreibe Geschichten. Nebenbei. Im Hauptberuf bin ich, also mein Titel ist: Diplom-Verwaltungswirt. Manchmal auch ohne den Wortteil "waltungs". Aber das bescheibt nicht im mindesten, was ich so alles mache. Meine größten Erfolge hatte ich in den 80er-Jahren, als ich im Vatikan aus der Bibel laß, Geschichten, die ich selbst geschrieben habe. Doch, doch.
Meine zahlreichen Anhänger können Ihnen das bestätigen. Manche davon sind schon älter, andere sind Jünger. Jetzt wissen sie auch, was meine Frau Maria wirklich damit meint, wenn sie (zum Beispiel als ich ihr sagte, dass ich eben diese Geschichten über mich heute Abend wieder vor Publikum erzähle)...wenn diese zu mir sagt: "Oh mein Gott". Frauen meinen nämlich manchmal das, was sie sagen genau so wie sie es sagen - doch, doch.
Überhaupt ist das mit den Frauen und den Männern so eine Sache. Der Wort Herr stammt ja bekanntlich von "herrlich" ab und "Dame" von dämlich. Doch, doch. Ursprünglich gab es ja in meinem Leben nur mich. Dann kam meine Frau dazu und seither geht es eher um weltliche Dinge als um geistliche. Konkret gesagt geht es bei uns oft ums Geld und dann sage ich meiner Frau, ich kann mir das doch nicht auch noch aus den Rippen quetschen.
Jedenfalls treibe ich gelegentlich auch mal einen Schabernack mit der Welt. Zum Beispiel war ich, ich glaube, es war 2005, auf der Buchmesse in Leipzig und habe am Stand des Bibelwerks ein selbstgemaltes Schild aufgestellt als gerade keiner hinsah, auf dem stand: "Hier signiert Gott...ab 14 Uhr". - Ich sage Ihnen: Das war eine Aufregung dort.
Gott kam natürlich nicht zum Signieren - man kann ja nicht ständig omnipräsent sein. Also ein umfassendes Geschenk an die Welt, an Deutschland, an Thüringen. Aber ich wollte mich wenigstens Ihnen mal vorstellen. das ist das Mindeste, was Sie von mir erwarten können. Der Rest folgt gleich.
In diesem Sinne...
In diesem Sinne möchte ich mich Ihnen einmal vorstellen. Mein Name ist Rainer Sauer, genauer gesagt: Rainer W. Sauer. "W" steht dabei für "Wahnsinnstyp"... ?!...doch, doch, fragen sie da ruhig mal meine Frau. "Wahnsinnstyp" trifft das ganze doch schon recht gut.
Ich schreibe Geschichten. Nebenbei. Im Hauptberuf bin ich, also mein Titel ist: Diplom-Verwaltungswirt. Manchmal auch ohne den Wortteil "waltungs". Aber das bescheibt nicht im mindesten, was ich so alles mache. Meine größten Erfolge hatte ich in den 80er-Jahren, als ich im Vatikan aus der Bibel laß, Geschichten, die ich selbst geschrieben habe. Doch, doch.
Meine zahlreichen Anhänger können Ihnen das bestätigen. Manche davon sind schon älter, andere sind Jünger. Jetzt wissen sie auch, was meine Frau Maria wirklich damit meint, wenn sie (zum Beispiel als ich ihr sagte, dass ich eben diese Geschichten über mich heute Abend wieder vor Publikum erzähle)...wenn diese zu mir sagt: "Oh mein Gott". Frauen meinen nämlich manchmal das, was sie sagen genau so wie sie es sagen - doch, doch.
Überhaupt ist das mit den Frauen und den Männern so eine Sache. Der Wort Herr stammt ja bekanntlich von "herrlich" ab und "Dame" von dämlich. Doch, doch. Ursprünglich gab es ja in meinem Leben nur mich. Dann kam meine Frau dazu und seither geht es eher um weltliche Dinge als um geistliche. Konkret gesagt geht es bei uns oft ums Geld und dann sage ich meiner Frau, ich kann mir das doch nicht auch noch aus den Rippen quetschen.
Jedenfalls treibe ich gelegentlich auch mal einen Schabernack mit der Welt. Zum Beispiel war ich, ich glaube, es war 2005, auf der Buchmesse in Leipzig und habe am Stand des Bibelwerks ein selbstgemaltes Schild aufgestellt als gerade keiner hinsah, auf dem stand: "Hier signiert Gott...ab 14 Uhr". - Ich sage Ihnen: Das war eine Aufregung dort.
Gott kam natürlich nicht zum Signieren - man kann ja nicht ständig omnipräsent sein. Also ein umfassendes Geschenk an die Welt, an Deutschland, an Thüringen. Aber ich wollte mich wenigstens Ihnen mal vorstellen. das ist das Mindeste, was Sie von mir erwarten können. Der Rest folgt gleich.
In diesem Sinne...
Mittwoch, 7. Juli 2010
Nationalhymne
Das Leben schreibt die besten Geschichten.
Hier ist eine aus dem Saarland...
Hier ist eine aus dem Saarland...

Professor Robert Leonardy aus Saarbrücken hält sich bei der Fußball-WM 2010 oft die Ohren zu. "Die deutsche Hymne wird in Südafrika falsch gespielt", sagt er. "Bei dem Part 'Einigkeit und Recht und Freiheit' wird statt eines Dominant-Sept-Dur-Akkords mit einer Terz im Bass ein Moll-Akkord gespielt." Und der Musikexperte fordert: "Das muss korrigiert werden. Wir werden nur Weltmeister, wenn unsere Hymne richtig gespielt wird."
Dienstag, 1. Juni 2010
Was haben wir da bloß angerichtet?
Dabei macht den Erfolg der Sendungen das darwinistische Konzept aus: der oder die Stärkste gewinnt. Und wir, das Publikum, dürfen ganz ungeniert Gott spielen, entscheiden über Gewinner und Verlierer, späteren Größenwahn oder eine Einweisung in die Nervenklinik nach erfolgtem Rausschmiss, Tod oder Überleben. Angetrieben von sprücheklopfenden Juroren feiern wir unsere Siege, ergötzen uns an dramatischen Zusammenbrüchen der Ausgeschiedenen, trinken deren Tränen. Wir sind das römische Pleps, die Zuschauer der Gladiatorenarena, zeigen mit dem Daumen hoch oder runter. Manchmal ist es auch unser Finger auf der Tastatur des Telefons oder Handys.
Dass wir uns dabei keine Gedanken machen müssen, über die Moral unseres Handeln, liegt daran, dass ja jeder Kandidat prinzipiell weiss, auf welch sadomasochistisches Spiel er resp. sie sich da einlässt. Und wenn sich, wie bereits geschehen, jemand vor Lampenfieber in die Hose macht, dann hält die Kamera voll drauf und keiner aus der Jury schützt den Kandidaten sondern es gibt immer Jurymitglieder, die zwar privat ihre eigenen Frauen schlagen, aber sich aus Ausgleich dazu in der Sendung über den verzweifelten Menschen vor dem Jurytisch lustig machen. Gut, nachher gibt es für die Demütigung eine Geldstrafe wegen eines Verstosses gegen das Jugendschutzgesetz, aber die zahlt ein Dieter Bohlen, der in jeder Show fernsehgerecht die Hemden seines Werbepartners wirksam vor der Kamara präsentiert, mit links.
Bohlen hat nämlich neben seinen eigenen Gagen für die Teilnahme an seinen Casting-Sendungen und den Werbeeinnahmen von Textil- und anderen Firmen, auch noch einen großen finanziellen Anteil an der Vermarktung der späteren Gewinner. Über seine Firmen liefert er nicht nur die erfolgreichen Songs für die jeweigen Shows, nein, er managt auch einzelne Karrieren der Gewinner vom Musikstil übers Video bis hin zur Garderobe. Ein Mensch wie er ist für solche Castings-Shows unverzichtbar, verfügt er doch über alle nötigen Kontakte in der Musik- und der TV-Branche und garantiert dem TV-Sender so, dank der Zusammenarbeit mit grossen Labels, für einige Teilnehmerinnen und Teilnehmer längerfristige Erfolge mit Songverkäufen. Dieser Deal geht immer auf und ist ein Kompensationsgeschäft: der TV-Sender generiert die Popularität und bekommt dafür später Geld zurück aus den Plattenverkäufen.
"Ich finde Dich ja gar nicht so schlecht", pflegt einer wie Bohlen stets zu sagen um dann einen coolen Spruch aus der Feder eines Ghostwriters anzufügen, der den gerade zur Hinrichtung anstehenden Delinquenten gar nicht kennen konnte und deshalb so wieder persönlich aus dem Schneider ist. "Ich finde Dich ja gar nicht so schlecht...", sagt Bohlen "...als Figur in der Geisterbahn oder Brechmittel, wenn ich mal kotzen muss" und ist damit der Prototyp für andere. Heinde KLum quält ihre Kandidatinnen beim Model-Contest mit ... langen ... Pausen ... ... zwischen ... ihren Worten, bevor sie ... sagt ... "Ob ... Du ... weiterkommst ... erfährst Du ... ... ... gleich nach der Webung."
Und weil noch niemand etwas gegen solche Art der Volksverdummung unternimmt, wird uns dieser Casting-Spuk im Fernsehen mit Sicherheit auch noch eine ganze Weile erhalten bleiben. Trotz leicht rückläufiger Quoten mangelt es hierzulande weiterhin nicht an nützlichen Idioten, die berühmt werden wollen. Der Andrang, sich vor laufender Kamera für immer zum Affen zu machen, weil man doch sein "Bestes" gibt und jeder sehen kann, wie limitiert dieses "Beste" ist, hält unvermindert an. Wahrscheinlich sogar, wenn es darum geht, "Germanys next Adolf Hitler" zu werden.
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